08. April 2026

Vom Bildschirm in die Werkstatt

Beim zweiten Anlauf hat Fabio den Beruf gefunden, der ihm Freude macht.

Fabio, Lernender bei der BASF Schweiz AG, ist in seinem Element. In seinem ersten Lehrjahr als Polymechaniker EFZ, in der Grundausbildung in der aprentas-Werkstatt, arbeitet er gemeinsam mit seinem Kollegen Yannick, der die Lehre bei Coop macht, bereits an einem anspruchsvollen Projekt: Ein unendliches Getriebe ist eine mechanische Konstruktion mit Reihen von ineinandergreifenden Zahnrädern, bei welcher eine extreme Untersetzung eine so starke Drehzahlreduzierung erzeugt, dass sich das letzte Zahnrad faktisch nicht mehr bewegt. Die Lernenden Polymechaniker/-innen werden dieses faszinierende Projekt am aprentas-Forum 2026 präsentieren.

Fabio erstellt das Konzept, das 3D-Modell und die Zeichnung. Er übernimmt die Konstrukteur- und einen Grossteil der Polymechaniker-Arbeiten und verbindet so die beiden Berufe: «Zuerst entwerfe und zeichne ich ein Teil, und anschliessend stelle ich es her. Das finde ich ideal!» Bei der Produktion und beim Finish wirken je nach Auslastung noch weitere Lernende mit.

Unendliches Getriebe: Dieses Projekt verbindet Konstrukteur- mit Polymechaniker-Arbeiten

Die richtige Wahl

Vor zwei Jahren war er in einer völlig anderen Situation: kurz vor der Teilprüfung als Konstrukteur die – wenn auch einvernehmliche – Auflösung des Lehrvertrags. Und zu wenig Zeit, für den Lehrbeginn noch im gleichen Jahr eine andere, wirklich passende Lehrstelle zu finden. «Ich wollte mir diesmal ganz sicher sein, die richtige Wahl zu treffen», erklärt Fabio. Dass es etwas Technisches sein sollte, war ihm nach wie vor klar. Er arbeitete zum Überbrücken auf dem Bau, informierte sich über verschiedene Optionen, schnupperte in mehreren Berufen und bewarb sich schliesslich mit Überzeugung um Polymechaniker-Lehrstellen.

Konstruieren und herstellen

Was war denn am Konstrukteurberuf nicht recht gewesen? «Konstrukteur ist ein toller Beruf!» stellt Fabio klar. «Mir hat daran gefallen, dass man über all die Schritte nachdenken muss, die nach dem Entwerfen eines Teils folgen: wo es verbaut wird, was seine Funktion sein wird, worauf man in Sachen Material achten muss und so weiter. Ich hatte es mir aber so vorgestellt, dass man beim Fertigen von Teilen mithilft und eng mit den Polymechanikern zusammenarbeitet. Dieser Bezug zur Mechanik fehlte mir bei meiner Lehrstelle. Mein Lehrbetrieb hatte keine eigene Fertigung; die Teile, die ich gezeichnet hatte, wurden ausser Haus hergestellt. Somit war ich eigentlich den ganzen Tag am PC, und das war mir zu trocken.» Längere üK und ein mehrmonatiger Mechanikkurs in der ersten Zeit der Lehre hätten dazu geführt, dass dies anfangs kaum ins Gewicht gefallen sei. Doch dann sei die Motivation gesunken. Nach mehreren Gesprächen folgte schliesslich die Auflösung des Lehrvertrags. «Es war keine tolle Situation», erinnert sich Fabio. «Aber für beide Seiten war klar, dass es nicht so weitergehen konnte.»

Vom Bildschirm an die Fräsmaschine ...

... und an die Drehbank

Fabio gefällt die Umsetzung der Konstruktionszeichnungen in der Werkstatt

Guter Rat für die Berufswahl

Ein Blick noch etwas weiter zurück: Während sich seine Schulkolleginnen und -kollegen mit der Berufswahl beschäftigten, verbrachte Fabio ein Austauschjahr in Irland; eine wertvolle Erfahrung, die er natürlich nicht missen möchte. Vielleicht kam die Berufsorientierung während dieser Zeit allerdings etwas zu kurz. Er suchte online Lehrstellen, bewarb sich, kam in den Herbstferien für zwei Schnupperlehren in die Schweiz und entschied sich für den Konstrukteurberuf. «Den Polymechaniker hatte ich damals noch gar nicht auf dem Schirm», erinnert er sich. Sein Rat an alle, die sich mit der Berufswahl beschäftigen: «Schaut euch ein möglichst breites Spektrum an Berufen an! Informiert euch gründlich, besucht Messen, geht schnuppern. Es ist wirklich toll, wenn man sagen kann: Das ist mein Beruf, daran habe ich Freude.»






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